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Septembergedanken: Was, wenn Schwäche nicht das Gegenteil von Stärke ist?

19. Sept.
2 Min. Lesezeit

Keine Schwächen zu haben, scheint zum Dogma geworden zu sein, denn heutzutage geht es fast nur noch um Selbstoptimierung, anderen stets die beste Version seiner selbst zu präsentieren. Dazu gehört auch, vermeintliche eigene Schwächen konsequent zu bekämpfen, stets zu versuchen, sich zu perfektionieren und möglichst keine Fehler zu machen.

Auch ich tappe hin und wieder in diese Falle. So versuche ich zum Beispiel schon lange, eine meiner Schwächen, meine Ungeduld loszuwerden, bin damit aber bis jetzt leider noch nicht sehr erfolgreich. Immer wieder kommt sie mir einfach in die Quere. Wenn meine Ungeduld so extrem wird, dass sie mich blockiert, weil ich alles schneller machen möchte, als ich es kann oder die Umstände es zulassen, habe ich inzwischen gelernt, innezuhalten und erst einmal mein Tempo zu drosseln und tief Luft zu holen. Auch wenn ich inzwischen Skills entwickelt habe, mit meiner Ungeduld halbwegs umzugehen und sie somit etwas besser zu steuern, mag ich sie weiterhin nicht und kämpfe gegen sie an, um sie loszuwerden.

Die Positive Psychologie sieht (im Gegensatz zu mir 😉) Schwächen als unterentwickelte Stärken und nicht als Makel, den es auszumerzen gilt. Wir alle dürfen Schwächen haben. Wir brauchen unsere Schwächen sogar, da in ihnen Entwicklungschancen stecken und viel Potenzial für kraftvolle Veränderungen in unserem Leben.

Was bedeutet das nun für mich, für meine Schwäche, die Ungeduld? Welches Geschenk hält sie für mich bereit? Meine Ungeduld dient mir, wenn ich es zulasse, als Wegweiser, um mir zu zeigen, was mir im Moment wirklich wichtig ist und welches Bedürfnis befriedigt werden möchte. Sie schenkt mir Antrieb und Energie, sorgt dafür, dass ich mich fokussiert dem widmen kann, was gerade ansteht. Statt mich also über meine Ungeduld zu ärgern und sie zu bekämpfen, möchte ich mich in Zukunft fragen, was mir unbewusst in dieser Situation so wichtig ist, dass meine Ungeduld sich gerade jetzt meldet.

Wenn ich meine vermeintliche Schwäche „ungeduldig sein“ so betrachte, bin ich auf einmal dankbar dafür, dass ich sie habe und möchte sie eigentlich nicht mehr missen. Dann fällt es mir schwer, sie weiterhin als Schwäche zu sehen, denn eigentlich ist es doch eine Stärke!

Ich lade Dich ein, darüber nachzudenken, welchen Schwächen Du in Deinem Leben Unrecht tust. Welche als Schwächen getarnte Stärken bekämpfst Du und willst sie loswerden, obwohl sie Dir bei Deiner Entwicklung weiterhelfen können? Ich wünsche Dir viel Erfolg und Spaß beim Entdecken!

 
 
 

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